Azipod ist das eingetragene Warenzeichen einer Familie von elektrischen Antriebssystemen für Schiffe, von denen das erste vor etwa zwei Jahrzehnten von ABB entwickelt wurde. Das neueste Produkt auf diesem Gebiet ist das energieeffizienteste Antriebssystem auf dem Markt.
Hintergrund und Technologie
Eine typische Energieerzeugungs- und Antriebssystem auf einem Frachtschiff beinhaltet Dieselaggregate, die die an Bord benötigte elektrische Leistung erzeugen, und einen separaten Dieselmotor, der die Hauptantriebswelle steuert. Es handelt sich dabei um ein dieselmechanisches Antriebssystem und weil der Motor und die Geschwindigkeit der Welle starr aneinander gebunden sind, sinkt die Brennstoffeffizienz bei geringer Geschwindigkeit dramatisch.
Der Einsatz eines dieselelektrischen Antriebes ist eine relative neue Möglichkeit, Schiffe anzutreiben und unterscheidet sich dadurch, dass er aus einem größeren elektrischen Antriebsaggregat besteht, üblicherweise mit von einem Dieselmotor betriebenen Agreggaten, und einem elektrischen Motor, der die Hauptwelle antreibt. ABB ist der weltgrößte Produzent von elektrischen Antriebssystemen.
In diesem System werden die elektrischen Schraubenmotoren, die größten Stromverbraucher, von Antrieben kontrolliert. Diese sorgen für stufenlose Leistungsänderung und steuern die Geschwindigkeit der Schrauben. Das elektrische Antriebssystem ist deshalb in der Lage, die Dieselmotoren bei oder nahe des optimalen Energieeffizienzpunktes zu betreiben, egal wie schnell das Schiff fährt. Elektrische Kabel statt eines mechanischen Übertragungssystem zu nutzen reduziert außerdem die Vibrationen an Bord.
Azipod und Kraftsoffverbrauch
Die elektrischen Antriebssysteme von ABB reichen von stufenverstellbaren elektrischen Maschinen bis hin zu einer einzigartigen hocheffizienten Antriebstechnik, der Azipod Familie. Das erste Azipod-Antriebssystem wurde 1990 fertiggestellt.
Die Azipod-Einheit wird unterhablb des Schiffes in einer frei drehbaren Gondel angebracht, die die Funktionen eines Antriebsmotors, einer Hauptantriebswelle, eines Ruders und eines Heckstahlruders in sich vereint. Diese traditionell getrennten Einheiten werden nicht länger benötigt, und der zusätzliche Platz an Bord kann für andere Zwecke genutzt werden.
Das Azipod-System in einem Kreuzfahrtschiff reduziert zum Beispiel den Kraftstoffverbrauch um etwa 10 Prozent im Vergleich zu dieselelektrischen Antriebssystemen mit einer konventionellen Wellen-Anlage.
2002 stellte ABB den CRP Azipod vor. Das CRP-Konzept, die Abkürzung steht für contra-rotating propeller, umfasst zwei Wellen, die einander gegenüber stehen und in entgegengesetzte Richtungen rotieren. Dies wird erreicht, wenn eine Azipod-Einheit in einer konventionellen Wellen-Anlage an Stelle des Ruders montiert wird.
Diese Anlage eignet sich für schnelle Fähren und andere Schiffe, die eine sehr große Antriebskraft benötigen.
ShinNihonkai Ferry, Japans führenden Fährschiffreederer, stattete 2004 zwei Fähren mit dem CRP Azipod aus. Das Unternehmen berichtete von Kraftstoffeinsparungen von 20 Prozent und einer um 15 Prozent höheren Transportkapazität im Vergleich zu Schiffen von ähnlicher Größe, die mit Dieselmotoren laufen.
Die Azipodsysteme von ABB werden in vielen verschiedenen Schifftypen verwendet - vom Luxuskreuzfahrtschiff, über Yachten, Fähren, Bohrinsel-Schiffen, Tankern, Offshore-Versorger-Schiffen bis zu Eisbrechern.