Elektromobilität

Um vielen Menschen die Nutzung eines Elektroautos zu ermöglichen und nahezulegen, brauchen wir ein System mit ausreichend öffentlich zugänglichen Ladestationen, so dass Fahrer ihren Wagen aufladen können.


Welches Marktpotenzial hat das EV-Infrastrukturgeschäft?

Elektrofahrzeuge (EV) brauchen Lademöglichkeiten. ABB geht davon aus, dass Investitionen in Ladeinfrastruktur für Elektroautos noch vor 2015 die Marke von einer Milliarde US-Dollar jährlich überschreiten werden. Dieser Betrag kann noch höher ausfallen, wenn auch Anwendungen für Schwerfahrzeuge einbezogen werden.

Der Sektor der Elektrofahrzeuge und Hybridelektrofahrzeuge stößt weltweit auf Interesse. So hat China in diesem Jahr einen Zehnjahresplan mit einem Volumen von 15 Milliarden US-Dollar bekannt gegeben, der das Land zum führenden Produzenten von Hybrid- und reinen Elektroautos machen soll. Angestrebt wird ein Verkauf von 5 Millionen Fahrzeugen bis zum Jahr 2020.

Die Weltbank schätzt in einer im April 2011 veröffentlichten Studie, dass Plug-in-Fahrzeuge bis 2020 10 Prozent des weltweiten Absatzes aller Neufahrzeuge ausmachen und dass sich der Weltmarkt für Elektroautos in zehn Jahren auf 250 Milliarden US-Dollar belaufen wird. In vielen Regionen der Welt werden zurzeit öffentliche Ladeinfrastrukturen für Elektrofahrzeuge eingeführt, nachdem bedeutende Automobilhersteller wie Nissan, Mitsubishi, Citroën und Peugeot die ersten Großserien-Elektroautos auf den Markt gebracht haben.

Um vielen Menschen die Nutzung eines Elektroautos zu ermöglichen und nahezulegen, brauchen wir ein System mit ausreichend öffentlich zugänglichen Ladestationen, so dass Fahrer ihren Wagen tagsüber regelmäßig aufladen können. Eine solche Infrastruktur wird die Tagesreichweite von Elektroautos (und von Hybridfahrzeugen) erheblich erhöhen.

Was hat ABB zu bieten?

Das Unternehmen stellt Ladeinfrastruktur für Elektrofahrzeuge her, die aus AC- und DC-Ladegeräten sowie zugehöriger Netzmanagement-Software besteht. Darüber hinaus hält ABB ein Komplettangebot an Ladeinfrastruktur-Komponenten bereit, die die Realisierung kundenspezifischer EV-Anwendungen ermöglichen.

Mit der Übernahme des niederländischen Unternehmens Epyon B.V. Mitte 2011 ist ABB zum Marktführer für so genannte Gleichstrom-Schnellladesysteme avanciert. Diese Systeme können ein Fahrzeug in nur 15 bis 30 Minuten aufladen. Sie werden typischerweise an Tankstellen oder anderen am Straßenrand gelegenen Einrichtungen wie Autobahnraststätten installiert.

ABB hat diese DC-Ladestationen in über 25 Ländern errichtet (Stand: November 2011). Darüber hinaus präsentiert sich ABB als führender Anbieter von Netzwerksoftware und Serviceleistungen für EV-Infrastruktur. Um ein gutes Geschäftsmodell für EV-Infrastruktur zu entwickeln, muss die Ladeinfrastruktur mit Abrechnungs- und Zahlungssystemen, Demand-Response- und Smart-Grid-Diensten sowie operativen Dienstleistungen wie Fernsupport und Wartung verknüpft werden.

ABB übernimmt die Installation, Inbetriebnahme und Wartung sowie andere operative Dienstleistungen für EV-Ladenetze. Mit ihrer weit reichenden Erfahrung in den Bereichen Netzinfrastruktur, Leistungselektronik und Niederspannungsprodukte wird ABB die Aufstellung von Ladestationen zu vertretbaren Kosten tatkräftig unterstützen können.





Welche Strategie verfolgt ABB?

ABB arbeitet mit Infrastrukturbetreibern, Stromversorgern, Ölunternehmen und Automobilherstellern in Nordamerika, Europa und Asien zusammen. Eine öffentlich bekannt gegebene Kooperation besteht mit dem Unternehmen Ecotality in Nordamerika, an dem ABB im Januar 2010 eine Beteiligung erworben hat. Ziel ist die zukünftige Lieferung der gesamten Infrastruktur-Hardware.

Im Rahmen eines EV-Projekts in den USA, an dem Ecotality teilnimmt, werden im kommenden Jahr über 15.000 Standard-Ladesäulen und mehr als 300 DC-Schnellladestationen in Nordamerika installiert. Die Aufstellung ist bereits in vollem Gange. In Europa hat ABB Ladenetze mit Kunden wie E.ON, Lyse Energi und RWE eingerichtet. Zurzeit treten viele Unternehmen in den Markt des Infrastrukturbetriebs ein.

Hierzu zählen Stromversorger, Ölunternehmen, Einzelhandelsunternehmen und spezialisierte Anbieter von EV-Infrastruktur. Wir werden diesen Unternehmen Hardware, Software und Dienstleistungen bereitstellen und unsere Ladegeräte auf eine Unterstützung ihrer Netze auslegen.

Wo liegt der Unterschied zwischen herkömmlichen AC-Ladegeräten und DC-Schnellladestationen?

Die herkömmliche Wechselstromaufladung eignet sich für Situationen, in denen der Wagen für einige Stunden abgestellt wird, beispielsweise zu Hause oder am Arbeitsplatz. Eine volle Aufladung kann in vier bis sechs Stunden erfolgen, abhängig von der Batteriegröße und dem verfügbaren Ladestrom.

Die Gleichstrom-Schnellaufladung bietet sich an, wenn ein Fahrer seine Reisepläne ändert und seinen Wagen schnell „auftanken“ muss oder wenn längere Fahrten anstehen. Eine vollständige Schnellaufladung dauert nur 30 Minuten, und eine fünfminütige Teilaufladung verlängert die Reichweite um 30 Kilometer. Beide Ladelösungen – Wechselstrom und Gleichstrom – sind Teil einer integrierten E-Mobilitäts-Infrastruktur und ergänzen sich, statt miteinander zu konkurrieren.

Wie lange braucht ein DC-Schnellladegerät für die Aufladung eines Elektroautos?
Wie weit kann das Fahrzeug damit fahren?

Ein DC-Ladegerät von ABB braucht 30 Minuten, um eine Batterie mit 25 Kilowattstunden (kWh) aufzuladen. Ein Elektroauto verbraucht zwischen 150 und 200 Wattstunden (Wh) pro Kilometer, so dass 25 kWh einer Reichweite von 125 bis 170 Kilometern entsprechen. Abhängig von der Durchschnittsgeschwindigkeit sind das bei typischen Fahrbedingungen auf der Autobahn rund zwei Fahrstunden. Somit ermöglicht eine 30-minütige Aufladung eine Fahrzeit von zwei Stunden.

Eine solche Reichweite macht es möglich, längere Fahrten mit einem Elektroauto zu unternehmen. Angesichts der Fortschritte in der Lade- und Batterietechnologie werden Elektrofahrzeuge in Kombination mit der DC-Schnellaufladung zur echten Alternative für längere Strecken wie auch für Kurztrips.





Wann werden wir ein Auto in 5 Minuten aufladen können (wie an der Tankstelle)?

Die grundlegenden Technologien dafür existieren bereits, und ABB hat umfassende Labortests auf diesem Gebiet durchgeführt. Dennoch ist es aus Kostengründen und geschäftlichen Gründen unwahrscheinlich, dass die ultraschnelle Aufladung in den nächsten zehn Jahren auf den Markt kommt.

Diese Art der Aufladung wird umfassende Infrastruktur-Investitionen erfordern, die sich nur schwer amortisieren werden. Außerdem eröffnet die Aufladung in 15 bis 30 Minuten sehr interessante Geschäftsmöglichkeiten: Die Fahrer von Elektroautos werden Geschäfte und Restaurants besuchen, einen Kaffee trinken oder zu Mittag essen und auf diese Weise viele interessante Umsatzmöglichkeiten für Geschäfte am Straßenrand schaffen.

Es wird allgemein erwartet, dass dieser Faktor die Einführung der EV-Infrastruktur maßgeblich vorantreiben wird. Zurzeit entwickelt sich sogar ein neues Marktsegment um die ein- bis zweistündige Aufladung, weil sich Restaurants, Parkhäusern und Einzelhandelsketten hervorragende Umsatzmöglichkeiten eröffnen.

Wie wird sich die E-Mobilität auf unsere Stromnetze auswirken?

Die größte Beschränkung für Stromnetze würde sich bei einer Aufladung vieler Elektrofahrzeuge in Spitzenlastzeiten ergeben. Dem kann man durch ein entsprechendes Lademanagement entgegenwirken, zum Beispiel durch eine Aufladung über Nacht oder in Zeiten, in denen viel erneuerbare Energie wie Windstrom erzeugt wird.

Glücklicherweise passt das mit dem Benutzerverhalten zusammen (Autos werden üblicherweise über Nacht abgestellt). Hier sind ein intelligentes Lademanagement, effektive Netzwerksoftware und umfassendes Know-how über Energiesysteme gefordert – allesamt Kernkompetenzen von ABB.

Last edited 2012-02-01
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