Zum «Top of Europe» mit ABB

13. Juni 2017 – Ein Ausflug aufs Jungfraujoch setzt jeder Reise in die Schweiz die Krone auf. Zum Erfolg der weltberühmten Jungfraubahn trägt ABB auf vielfältige Weise bei. Pioniergeist und Innovationskraft verbinden die beiden Schweizer Traditionsunternehmen.

Die Jungfrau ist mit 4158 Metern der höchste Berg des Dreigestirns mit Eiger und Mönch in den spektakulären Berner Alpen. Auf der atemberaubenden Reise zum Jungfraujoch fährt die Jungfraubahn durch einen aus dem Fels gehauenen Tunnel hinauf zum «Top of Europe», dem mit 3454 Metern Höhe höchstgelegenen Bahnhof Europas. Auf der 45-minütigen Fahrt durch Schnee, Eis und Fels wird eine Strecke von mehr als neun Kilometern zurückgelegt.

ABB von Beginn an dabei
Bei diesem monumentalen technischen Meisterwerk hat Technologie aus dem Hause ABB von Anfang an eine entscheidende Rolle gespielt. Die ursprüngliche Linie wurde von Brown, Boveri und Co. (BBC) elektrifiziert, dem Vorgängerunternehmen von ABB. Auch heute, mehr als einhundert Jahre später, versorgt ABB-Technologie die Strecke noch immer mit Strom. Gleichzeitig treiben Traktionstransformatoren von ABB die Züge an, um Gäste das ganze Jahr hindurch zum Gipfel zu bringen.


Urs Kessler, CEO Jungfraubahnen, und Remo Lütolf, Landeschef ABB Schweiz, vor dem Triebzug der Jungfraubahn, der nun im ABB-Design verkehrt.

Bis zu 1 Million Passagiere
Bis zu einer Million Fahrgäste befördert die Jungfraubahn jährlich zum «Top of Europe». Damit ist das Jungfraujoch nicht nur eine der beliebtesten Touristenattraktionen der Schweiz, sondern auch die internationalste: Rund 70 Prozent der Besucher kommen aus Asien, vor allem aus China. Sie erwartet ein einzigartiges alpines Erlebnis mit phantastischer Aussicht, mitten im UNESCO-Welterbe «Schweizer Alpen Jungfrau-Aletsch».

Am Anfang stand eine Vision
Möglich gemacht wurde dieses einmalige Erlebnis durch eine Vision, die der Schweizer Industrielle und Finanzpolitiker Adolf Guyer-Zeller im Jahr 1893 hatte. Auf einer Wanderung in der Region kam ihm die kühne Idee, eine Tunnelstrecke für eine Bahn zum Gipfel der imposanten Jungfrau zu bauen. Noch am selben Abend skizzierte er die Linienführung.


Bergbahn im ABB-Branding: Erstmals in ihrer Geschichte lässt die Jungfraubahn einen Zug verkehren, der mit seiner auffälligen Gestaltung prominent auf ein Unternehmen hinweist.

Vorreiterrolle in der Elektrifizierung
Der Betrieb mit Dampflokomotiven war von Beginn an keine Option für die Jungfraubahn, da zwei Drittel der Strecke durch Tunnel führen würden. Da traf es sich gut, dass just zu dieser Zeit die Gründer von BBC die Vision hatten, elektrische Energie als Schrittmacher für ein neues Zeitalter zu nutzen.

Touristisches Weltwunder seit über 100 Jahren
1896 erfolgte der Spatenstich zur Jungfraubahn. Die Teilstrecke zwischen Kleiner Scheidegg und Eigergletscher wurde zuerst in Betrieb genommen, elektrifiziert von BBC. Der letzte Abschnitt hinauf zum Jungfraujoch wurde 1912 fertiggestellt. Der gebündelte Pioniergeist der beiden Unternehmen Jungfraubahn und ABB schuf nicht nur ein touristisches Weltwunder, sondern liess auch eine langfristige Partnerschaft entstehen.

Bereitstellung der Technologie
BBC lieferte von Anfang an die elektrische Traktionsausrüstung für die Lokomotiven der spektakulären Bergbahn. Da die Jungfraubahn bis Anfang der 1950er Jahre nur teilweise eine Zahnradbahn war – der letzte Abschnitt wies über weite Strecken nur Schienen auf – mussten die Lokomotiven mit einem kombinierten Zahnrad- und Adhäsionsantrieb ausgerüstet werden.


Die vier 2016 in Betrieb genommenen Triebzüge von Bhe 4/8 von Stadler haben mit ihren 182 Sitzplätzen die Transportkapazität der Jungfraubahn deutlich erhöht. Auch in ihnen steckt ein Antriebsstrang von ABB.

Mit Drehstrom versorgt
Eine weitere technische Besonderheit hat sich bis heute gehalten: Die Jungfraubahn ist eine von nur vier Bahnstrecken weltweit, die mit Drehstrom betrieben werden.
In jedem Triebwagen, der Gäste zum «Top of Europe» bringt, steckt ein hochmoderner Antriebsstrang von ABB, bestehend aus einem Traktionstransformator und einem Kompaktstromrichter. Die Traktionssysteme wandeln elektrische Energie aus den Oberleitungen in Drehstrom mit variabler Frequenz um, mit dem der Fahrmotor versorgt wird. Ausserdem stellen sie die notwendige elektrische Energie für die Energiesysteme bereit.

Rekuperation für Energieeffizienz
Die Traktionsumrichter sind gewissermassen das Gaspedal eines Zugs – und auch Gangschaltung und Bremse. Beim elektrischen Bremsen kann der Umrichter die anfallende Energie via Traktionstransformator wieder ins Netz zurückspeisen. Das ist insbesondere für eine Bergbahn ein äusserst wichtiger Beitrag zur Energieeffizienz: Drei talwärts fahrende Züge erzeugen mit der elektrischen Bremse genügend Energie für einen bergwärts verkehrenden Zug. Die Jungfraubahn vertraut auch auf Überspannungsableiter von ABB. Sie begrenzen schädliche Überspannungen, die beispielsweise durch Blitzeinschläge entstehen können.

Innovative Schneeschleuderlok
Trotz der extremen Höhenlage fährt die Jungfraubahn das ganze Jahr hindurch, auch im tiefsten Winter. Im offenen Bereich der Strecke kann sich der Schnee schnell meterhoch auftürmen. Um den Betrieb auch bei intensivem Schneefall im immer dichter getakteten Fahrplan pünktlich einzuhalten, setzt die Jungfraubahn seit 2011 auf eine speziell konzipierte Lokomotive von Stadler Rail, die auf beiden Seiten mit je einer zweigeteilten Schneefrässchleuder mit einer frei einstellbaren Wurfweite zwischen 15 und 35 Metern ausgerüstet ist. Diese einzigartige Schneeschleuderlokomotive verfügt auch über absenkbare Spurpflüge und ein leistungsstarkes Weichengebläse. Die beiden Fahrmotoren und die beiden Motoren für die Schneeschleudern werden durch einen Traktionstransformator und Stromrichter von ABB mit elektrischer Energie versorgt.


Die leistungsstarke Schneeschleuderlokomotive Xhe rote 12 ist ein Unikat.

Erzeugung der Energie
Seit 1908 generiert die Jungfraubahn den grössten Teil des benötigen Bahnstroms im eigenen Wasserkraftwerk im nahegelegenen Lütschental. 1939 installierte BBC in dem Kraftwerk einen innovativen statischen Frequenzumformer, um das Bahnstromnetz (40 Hz) mit dem normalen Versorgungsnetz (50 Hz) zu koppeln. Er versah über 20 Jahre lang zuverlässig seinen Dienst. In jüngerer Zeit hat ABB für dieses Kraftwerk luftisolierte Schaltanlagen geliefert.

GIS von ABB
Die Unterstation Wilderswil des Energieversorgungsunternehmens BKW ist Haupteinspeisepunkt für die Versorgung der gesamten Jungfrauregion. 2015 und 2016 hat BKW die bestehende Freiluft-Hochspannungsschaltanlage mit gasisolierten Schaltanlagen (GIS) von ABB ersetzt und modernisiert, um die Versorgungssicherheit der Gegend nachhaltig zu gewährleisten.

Effizientere Wasserversorgung
Bis 2012 wurden für die Wasserversorgung auf dem Jungfraujoch und den Zwischenstationen Zisternenwagen eingesetzt. Jeden Tag mussten 14.000 Liter Wasser auf der Strecke transportiert werden, was auch die Passagierkapazität auf den Fahrten verringerte. Heute wird das Wasser durch eine 7 Kilometer lange Leitung mit enormem Druck auf das Jungfraujoch gepumpt, was den Energieaufwand erheblich reduziert. Die beiden Hochleistungspumpen werden mit Motoren und Frequenzumrichtern von ABB angetrieben. Lösungen wie diese liefert ABB auch für Skigebiete, die eine möglichst energieeffiziente Wasserversorgung für Beschneiungsanlagen benötigen, beispielsweise für St. Moritz, den Austragungsort der letzten Ski-WM.

Beeindruckender Erfolg
Die Jungfraubahn schreibt eine beeindruckende Erfolgsgeschichte: Im Jahr 2000 beförderte sie noch rund 500'000 Gäste auf das Jungfraujoch. 2015 wurde erstmals die Millionengrenze überschritten. Diesen Quantensprung – der auch den Bedarf für mehr Triebwagen mit höherer Kapazität nach sich zog – erreichte die Bahn hauptsächlich mit Werbemassnahmen im asiatischen Markt, insbesondere in China. Das Jungfraujoch konnte mit der Marke «Top of Europe» als Highlight jeder Europareise etabliert werden. ABB ist stolz darauf, mit ihren innovativen Lösungen für die Infrastruktur wie auch für das Rollmaterial an dieser Erfolgsgeschichte mitzuschreiben.



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